Wenn alles andere endet, ist es die Liebe, die überlebt

Ja, dieser Titel scheint mir mehr als passend für den Teil der Geschichte, in dem es darum geht, wie ich zu Hodor kam – oder wie Hodor zu mir kam.

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Eigentlich war schon lange klar, dass mein Mann und ich einen Hund wollten und so begann ich mit der Suche nach einem geeigneten Züchter. Dass es sich um einen Labrador handeln sollte, stand außer Frage. Ich hatte vor einigen Jahren schon einmal eine Labrador Dame und mein Herz an diese Rasse verloren. Auch das Geschlecht und der Name stand lang vor Hodor’s Geburt fest, so vieles war im Vorhinein geplant und bestimmt – und doch kam es ganz anders als erwartet. Eigentlich wollte ich diesen Hund ausbilden zum Therapiehund, um ihn dann mit auf die Arbeit zu nehmen. Um eine zusätzliche berufliche Qualifikation nachweisen zu können und um anderen Menschen zu helfen. Doch kurz nachdem Hodor geboren wurde, fing bei mir an alles zu bröckeln. Wie ihr vielleicht schon in dem vorherigen Artikel lesen konntet, ging es mir psychisch immer schlechter. Ich war an einem Punkt angekommen, wo ich ohne professionelle Hilfe in Form von Psychotherapie und psychiatrischer sowie medikamentöser Begleitung nicht mehr weiter kam. Meine Panikattacken häuften sich und auch meine Arbeit verlor ich aufgrund meines psychischen Zustands.

Auf einmal wurde mir klar, dass ich niemandem helfen kann, bevor ich mir nicht selbst helfe. Mir wurde bewusst, dass es kein Leben ist, wenn man einfach nur versucht zu funktionieren – und im Endeffekt nur auf den nächsten Zusammenbruch wartet. Aber diese Erkenntnis machte mir auch umso mehr Angst. Zuzugeben, dass man krank ist, zu krank, um arbeiten zu gehen…und dann auch noch psychisch krank…ist hart. Es ist noch immer ein Tabuthema, über das man sich nicht zu sprechen wagt. Und so zog ich mich mit dieser Erkenntnis immer mehr zurück und wartete nur auf die nächste Panikattacke. Wenn ich nachts weinend und vor Angst zitternd auf dem Sofa saß, war ich allein. Nicht, weil ich wirklich allein gewesen wäre – denn schließlich gab es ja noch meinen Mann – aber ich wollte ihn nie damit belästigen, mit mir und meinen Problemen. Also wartete ich immer bis er schlief, um zusammen zu brechen.

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Aber plötzlich wurde alles anders. Während ich voller Panik nachts auf dem Sofa saß, lag auf einmal dieses Fellknäuel neben mir. Hodor war da. Er schmiegte sich an mich und taxierte mich mit seinen karamellfarbenden Augen. Er brachte mir all sein Spielzeug, sobald er merkte dass etwas nicht mit mir stimmte. Er war da, in der Zeit wo ich mich verlassen fühlte. Er fing an, Panikattacken rechtzeitig zu erkennen, vermutlich aufgrund des veränderten Geruchs und der Körperspannung, sie sich veränderte. Und nach langen Gesprächen mit Hundetrainerin und anderen Betroffenen stand für mich fest, dass ich diese Gabe nutzen muss. Für mich, und zwar nur für mich. Das erste Mal in meinem Leben habe ich eine komplett egoistische Entscheidung getroffen und mal nicht an andere Menschen gedacht, als in mir der Plan wuchs, Hodor zum Assistenzhund für mich auszubilden. Inzwischen liegt das alles fast zwei Jahre hinter uns und Hodor ist mitten in seiner Ausbildung. Wenn alles so weiter läuft wie bisher, werden wir im kommenden Quartal die Prüfung ablegen – ein wahnsinniger Schritt in Richtung selbstbestimmtes Leben. Was die Panikattacken angeht, sie sind immer noch da. Vermutlich werde ich sie auch niemals komplett los, das wäre utopisch. Aber ich habe auch dank Hodor gelernt, damit umzugehen. Und durch seine Hilfe habe ich die Chance, inzwischen rechtzeitig einzugreifen – denn er spürt die Panik schon lange bevor ich es mitbekomme. Durch die Feinfühligkeit und unendliche Liebe eines Hundes habe ich mein Leben wieder zurück gewonnen, und dafür bin ich unendlich dankbar.

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Das hier ist tatsächlich das erste Foto, welches ich habe wo ich weiß dass ich währenddessen mitten in der Panik steckte. Und schon als kleiner Bube wusste Hodor, was am besten in solchen Momenten ist – ganz viel Körperkontakt

 

 

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