Arztbesuch der anderen Art – oder auch – die Ärztin, die sich disqualifizierte

Eigentlich mochte ich bisher meine Allgemeinmedizinerin. Eigentlich wollte ich auch heute nicht über sie bloggen sondern über das Üben mit positiver Geruchsprobe einer Panikattacke, damit Hodor da besser differenzieren lernt. Uneigentlich wird dieses Thema jetzt aber auf einen Tag verschoben, wo ich nicht so perplex, wütend, traurig, enttäuscht und vieles mehr an Emotionen und Gefühlen bin.

Meine Allgemeinmedizinerin habe ich mir damals ausgesucht, weil es eine Ärztin war, die sich Zeit für ihre Patienten genommen hat. Sie ist eine der Ärzte, die noch genau erklärt anstatt einfach wild Medikamente zu verschreiben. In ihrer Praxis habe ich mich immer recht wohl gefühlt, weil alles so familiär und schnuckelig klein gehalten war, dass ich sicher war. Es war für mich so okay, dass ich nicht mal Hodor brauchte für die Termine dort – bis jetzt.

Schon bei den letzten Terminen, die ich dort hatte ging es mir psychisch nicht gerade gut und ich schwankte sekündlich zwischen den Depressionen und Panikattacken. Eigentlich wollte ich schon da anfragen wegen der Mitnahme von Hodor in der Praxis, aber ich habe mich irgendwie nie getraut. Auch heute hatte ich mir wieder fest vorgenommen, es anzusprechen….aber auch heute kam es wieder anders. Meine Ärztin war irgendwie mal wieder neben der Spur und leicht gehetzt, besprach mit mir kurz die Blutergebnisse und händigte mir eine Verordnung für die Krankengymnastik aus – als wir auf das Thema Gewicht zu sprechen kamen.

Ich muss dazu sagen, dass ich unter einer Essstörung, der binge eating disorder (BES), leide. Ich hatte diese Erkrankung von Dezember 2016 bis Sommer 2017 so gut im Griff, dass ich es tatsächlich geschafft habe über 20kg abzunehmen. Doch jetzt, wo die Psyche wieder dazwischen grätscht, ist es für mich so gut wie unmöglich, an meiner Ernährung zu arbeiten. Bei der BES kommt es zu unkontrollierbaren Fressattacken. In meinem Fall dissoziiere ich in diesen Momenten oft so weg, dass ich gar nicht mitbekomme was und in welchem Maße ich da esse. Zeitweise war es so schlimm, dass ich morgens aufgewacht bin inmitten von Lebensmittelverpackungen, konnte mich aber nicht erinnern dies tatsächlich konsumiert zu haben. Aktuell ist es zum Glück nicht ganz so extrem, aber dennoch habe ich keinerlei Kontrolle darüber. Durch eine Medikamentenumstellung habe ich dann auch noch schön 7kg innerhalb von 14 Tagen zugenommen, was eine Besserung der Essstörung natürlich nicht mit sich bringt.

Meine Ärztin kam dann mit so wertvollen Tipps wie „Schließen sie ihre Küche doch ab“ oder „Essen sie vor jeder Mahlzeit 500g Gemüse“ und zu guter Letzt „Gehen sie nicht mehr einkaufen, lassen sie das ihren Mann machen. Und der darf dann die ‚bösen‘ Lebensmittel nicht mitbringen“ Ehm ja. Natürlich. Ansich ist der Tipp mit dem Gemüse essen vor jeder Mahlzeit sogar gar nicht mal so verkehrt und ich würde es wirklich wirklich tun, wenn ich denn könnte….und genau diesen Punkt versteht sie scheinbar so gar nicht. Ich kam mir vor, als müsse ich mich rechtfertigen weil ich eine Essstörung habe und diese aktuell nicht im Griff bekomme – dabei ist es für mich aktuell wichtiger, an meiner psychischen Verfassung zu arbeiten – denn genau das ist ja der Auslöser bei mir! Aber gut, aber fein. Tief durchatmen. Ich wurde dann dort noch gewogen und ein neuer Termin für Dezember wurde vereinbart, um dann nochmal über mein Gewicht zu reden.

Zu Hause angekommen war ich so fertig und von Panikattacken durchzogen, dass ich erstmal Bedarfsmedikation nehmen musste und mich hingelegt habe. Als die erste Wut verflogen war, habe ich mich endlich getraut, und meiner Ärztin eine Mail geschrieben. Sie weiß, dass Hodor zum Assistenzhund ausgebildet wird und hatte damals die Zeitungsberichte über uns gelesen, also musste ich dahingehend ja nicht mehr viel erklären. Dennoch habe ich versucht ihr zu berichten, was für Anstrengungen es mir aktuell abverlangt, ohne Hodor in ihre Praxis zu kommen und dass ich währenddessen und/oder danach regelmäßig Panikattacken erleide. Ich schickte ihr die Texte

Barrierefreier Zutritt von Assistenzhunden

sowie

Mitnahme von Assistenzhunden ins Krankenhaus

in der Mail mit und bat sie, dies mit ihrem Team zu besprechen und mir eine Rückmeldung zukommen zu lassen. Mit schwitzigen Händen las ich mir die Mail noch fünfmal durch und schickte sie sowohl einer Freundin als auch meinem Mann, um eine Rückmeldung darüber zu bekommen, ob ich das so schreiben kann und ob es gut geschrieben ist. Dann schickte ich sie ab.


Keine zehn Minuten nach Abschicken der Mail bekam ich folgende Antwort;

Sehr geehrte Frau D.,

laut Hygienevorschriften dürfen Hunde nicht in die Praxis. Sie können gerne Ihren Hund im Flur an den Handlauf anbinden und ihn dort warten lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Praxisteam


 

…sprachlos. Ja, das ist das richtige Wort. Die Antwort macht mich sprachlos. Diese Antwort zeigt mir, dass meine Mail und die beigefügten Links nicht einmal vernünftig gelesen wurden. Nein, sogar noch schlimmer – es ist egal. Es ist meiner Ärztin vollkommen wurst, dass ich regelmäßig Panikattacken in ihrem Wartezimmer bekomme, es ist ihr egal wie es mir dabei geht. Dass mir mein speziell für mich und meine Erkrankungen ausgebildeter Assistenzhund eine Unterstützung dahingehend ist, ist ihr auch egal. Sie spricht von Hygienevorschriften, die in den Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit widerlegt sind;

…[Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) stellte hierzu fest, dass eine ausdrückliche gesundheitsrechtliche Regelung, die Patientinnen und Patienten das Mitführen von Blindenführhunden und anderen Assistenzhunden in Krankenhäuser, Arztpraxen und vergleichbare Einrichtungen gestattet, zwar nicht existiert; unter Hygieneaspekten lässt sich jedoch festhalten, dass durch verschiedene Veröffentlichungen klargestellt wurde, dass grundsätzlich keine medizinisch-hygienischen Bedenken gegenüber der Mitnahme eines entsprechenden Hundes bestehen.]…

Klar, es gibt noch keine ausdrücklichen gesetzlichen und gesundheitsrechtlichen Reglungen diesbezüglich, aber ich hätte doch schon gehofft/erwartet, dass man sich wenigstens durchliest, was ich dort schicke. So hätte sie nämlich gewusst, dass die Hygienevorschriften absoluter (sorry) Bullshit sind.

Was heißt dies nun für mich? Ich werde bestimmt nicht meinen Hund mitnehmen und ihn draußen im Hausflur unbeobachtet anbinden! Das bringt weder mir noch irgendwas, noch dass es zusätzlich die Gefahr birgt dass irgendein meint meinen Hund mitnehmen zu müssen. Ich werde mich auch nicht nochmal mit dieser Ärztin auseinander setzen, weil ich da schlichtweg keinen Bock drauf hab. Also habe ich mich hingesetzt und nach anderen Allgemeinmedizinern vor Ort gegooglet, um ihnen direkt meine Lage per Mail zu erklären. Vielleicht ist darunter ja einer vorhanden, der sich meinen Text durchliest und mich nicht mit irgendwelchen vorgefertigten „Ein Satz der zeigt dass mir eigentlich egal is, was du für Bedürfnisse hast“ Mail abfertigt.

Ich bilde meinen Hund nicht aus Jux und Dollerei zum Assistenzhund aus. Es war auch keine reine Langeweile von mir, die Hälfte seiner Ausbildung selbst zu finanzieren. Die Kosten für diese Ausbildung sind nicht so hoch, damit man seinen ausgebildeten Hund dann nicht nutzen kann. Ich mache das, weil ich ein Anrecht auf dieses Hilfsmittel habe und weil es mir verdammt noch mal hilft. Was lerne ich daraus? Nie wieder ohne meinen Assistenzhund. Selbst wenn ich einen Termin mal ohne ihn erledigen kann, was natürlich auch vorkommt, ich werde ab sofort immer im Vorfeld klären, dass ich ihn zur Not mitnehmen darf.

 

2 Kommentare zu „Arztbesuch der anderen Art – oder auch – die Ärztin, die sich disqualifizierte

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