Wie?

Oft schreiben mich die Leute an, sei es diejenigen die unsere Facebook Seite verfolgen oder aber auch Bekannte, Freunde von mir. „Wie schaffst du das bloß alles?“ oder aber „Ich beneide dich so, ich schaff nicht halb soviel wie du in depressiven Phasen“ aber auch „Ach, wo bist du denn depressiv/psychisch krank? Schließlich hälst deine Wohnung ja sauber“.

Ja. Ich schaffe einiges. Selbst in depressiven Phasen. Ich halte zum Beispiel die Wohnung IMMER sauber, vielleicht putz ich sie etwas seltener als in Zeiten wo es mir besser geht, aber den gröbsten Dreck beseitige ich. Allerdings brauche auch ich dafür einen Arschtritt. Dann eigentlich will Frau Depression nicht, dass ich auch nur irgendwas mache. Wohnung putzen? Mit dem Hund raus? Einkaufen? Nee lieber nicht, wir könnten uns so schön gemütlich aufs Sofa legen und gemeinsam weinen – ja, auch das tue ich. Nachdem ich geputzt hab, bevor ich geputzt hab, während ich putze. Ich weine während ich mit Hodor draußen bin und schlurfe lustlos neben ihm durch den Wald. Im Rewe oder Lidl (Schleichwerbung 😉 ) brauche ich doppelt bis dreifach so lange, um für die paar Tage einzukaufen. Panikattacken inklusive. Aber ich mache es trotzdem, denn ich habe ja Hodor an meiner Seite, der mir hilft.

Ich tue das nicht für mich, so ganz und gar nicht. Denn wenn es hier nur um mich gehen würde, würde ich tatsächlich in so labilen Phasen nur rumliegen, weinen, fressen, noch mehr weinen, noch mehr fressen und bestenfalls mich nicht mal duschen. Aber ich habe mit dem Kauf meines Hundes Verantwortung übernommen für ein Lebewesen, dass nun mal nicht mit sich selbst raus gehen kann.

Auch habe ich meinem Mann gegenüber eine gewisse Verantwortung. Schließlich geht er Vollzeit arbeiten und gibt mir den Freiraum und die Zeit, um gesund zu werden – nein falsch. Er gibt mir den Freiraum und die Zeit, mich um mich und meine psychische Gesundheit zu kümmern. Ich habe für mich persönlich den Anspruch als Ehefrau, dass ich zumindest versuche jeden Tag frisch zu kochen, damit mein Mann nach der Arbeit was zu futtern hat. Natürlich schaffe ich das nicht jeden Tag, auch die Wohnung zu säubern gelingt mir nicht täglich, manchmal auch nicht jeden zweiten oder dritten Tag, aber vielleicht einmal die Woche.

Manchmal benötige ich einen Arschtritt. Manchmal benötige ich diesen auch öfters. Von mir selbst, vom jammernden Hodor, von meinem Mann. Oft brauche ich Hilfe beim Erledigen von diesem alltäglichen Kram. Von mir selbst, vom stupsenden Hodor, von meinem Mann – aber das ist okay. Ich darf Hilfe annehmen. Und ich darf, trotz Depressionen, trotz psychischen Erkrankungen, irgendwie mein Leben und den Alltag geschissen bekommen.

4 Kommentare zu „Wie?

Gib deinen ab

  1. Liebe Marisa, ich finde es super wie du es trotz deiner Depri und was dich sonst noch alles einschränkt hinbekommst alles zu erledigen. Ich habe seit einiger Zeit einen Spruch an der Wand hängen den ich mir zu eigen gemacht habe. Heute lebe ich…….. morgen putze ich. VIELLEICHT…..Alle guten Wünsche für dich

    Gefällt 1 Person

  2. Ich weiß nicht wie ich es schreiben soll, aber ich möchte mich für deinen Blog und FB bedanken, dein Einblick in dein Leben lässt mich einen sehr lieben Menschen besser verstehen. Und mich selber bringt es oft zum Nachdenken über mich. DANKE und Pfotentatz an Hodor

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: