Der ganz normale Wahnsinn…

Mittwoch morgens, der ganz normale Wahnsinn beginnt. Ich sitze bei meinem Psychiater, diesmal mit einem Berg von Unterlagen.

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Kleiner Rückblick:

Seit Ende 2016 bin ich arbeitsunfähig geschrieben, zuvor wurde eine berufliche Rehabilitation versucht, die allerdings scheiterte da ich – aufgrund meiner Diagnosen – diese in einer Spezialeinrichtung für psychisch Erkrankte machen sollte und dafür jeden Tag nach Köln oder Dortmund mit öffentlichen Verkehrsmitteln hätte pendeln müssen. Das funktionierte halt nicht ganz so gut, so mit meinen Panikzuständen in öffentlichen Verkehrsmitteln schaffe ich diese Strecken einfach nicht, zumal an einem der Orte ein früherer Übergriff passierte, weswegen dieser Ort generell schon einmal wegfallen würde (Retraumatisierung und so). Wie auch immer, die berufliche Rehabilitation scheiterte, das Arbeitsamt machte mir einen Höllendruck dass ich doch jetzt mal zu funktionieren habe, woraufhin mich mein Psychiater dann „aus dem Verkehr“ zog.


Seitdem kämpfe ich mit der Krankenkasse. Ja wirklich, es ist ein K(r)ampf mit denen. Schon vor der ersten Krankengeld Zahlung im Januar 2017 fingen die an, sich querzustellen. Es vergingen Monate, in denen ich jede Woche mindestens einmal von meiner „persönlichen Gesundheitsberaterin“ angerufen wurde, die mich zu diversen Maßnahmen „animieren“ wollte. Abgesehen davon, dass ich doch unbedingt zu einem persönlichen Gespräch mit ihr nach…KÖLN…kommen sollte. (Anmerkung der Redaktion (das wollte ich schon immer mal so schreiben 😛 ) : Köln is ma net sooo ums Eck, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich schlappe 1 3/4 – 2 Stündchen unterwegs) 

Soweit so gut, vor einer Weile kam dann wieder einer dieser sonderbaren Anrufe, ich habe nun einen Antrag auf berufliche Rehabilitation zu stellen. Ehm ja. Mein Hinweis dass dieser vor nicht mal einem Jahr erst gescheitert ist war denen relativ Wurst und mit dem netten „Hinweis“/Drohung auf nicht zahlen des Krankengeldes bei fehlender Mitwirkung wurde meinerseits dieser Antrag gestellt. Mein Psychiater konnte darüber auch nur mit dem Kopf schütteln und hat in seiner fachärztlichen Stellungnahme dann mal deutlich gemacht, dass dies aktuell nicht in Frage käme. Aber gut, der Antrag war abgeschickt.


Letzte Woche dann kam der Schlag ins Gesicht. Eine Ablehnung der Rentenversicherung, und zwar….nein, nicht für die berufliche Reha, sondern für eine MEDIZINISCHE Reha!!! Das war verwirrend, aber noch nicht der Schlag ins Gesicht, denn der kam bei den vermeintlichen Diagnosen:

cof

Aus den Diagnosen der fachärztlichen Stellungnahme, und zwar F43.1 (posttraumatische Belastungsstörung), F41.2 (Angst und Depressionen gemischt), F33.11 (rezidivierende Depression, mittelgradige Episode), F41.0 (Panikstörung) wurde dann ma fix ne Borderline Störung mit Ritzen und Drogen Konsum gemacht.


Bis HEUTE (!!!) weiß ich nicht, woher diese Diagnosen stammen. Von meinem Psychiater sind sie nicht, und auch frühere Gutachten besaßen nicht diesen Inhalt. Also wurde die Rentenversicherung direkt mal angerufen und schriftlich um Akteneinsicht gebeten. Die Krankenkasse wurde darüber auch informiert, die dann direkt wollten dass ich dem Antrag widerspreche…PUSTEKUCHEN (denn die wollen nur, dass der Rehaantrag doch genehmigt wird und sie somit nicht mehr zahlen müssen, das erwähnte selbst die Dame am Telefon von der Rentenversicherung)!!!

Am Rande habe ich dann auch mitbekommen, dass die Krankenkasse gar nicht zu einer beruflichen Reha zwingen kann, sondern nur zu einer medizinischen Reha, was die Umwandlung meines Antrags dann auch mal erklärt hat. Die Krankenkasse nimmt dazu natürlich keinerlei Stellung.


Dann kam aber der Oberkracher. Ein Schreiben meiner Krankenkasse, ich solle zur Suchtberatung. Wenn ich das nicht tue…na ratet mal…bekomme ich kein Krankengeld mehr 😀

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WIR HELFEN IHNEN DABEI!

Ja…ist klar. Ihr helft mir, indem ich mich zu einer Suchtberatung schicken wollt, obwohl keinerlei Sucht vorliegt (wo die von der Suchtberatung im übrigen auch nur mit dem Kopf schütteln konnten und mich an meinen Psychiater verwiesen haben, da sie mir bei nicht vorhandener Sucht nun mal nicht helfen können…weil is ja ne SUCHTberatung…) ? Ich mein, wenn das alles nicht so tragisch für mich wäre, würde ich echt nur noch lachen.


Also heute ab zum Psychiater, alle Schreiben mit genommen, um mit ihm dann alles noch einmal durchzugehen. Fakt ist, mein Psychiater hat niemals etwas von Drogen Konsum oder Ritzen oder dergleichen erwähnt, wir sind das Schreiben noch mal durchgegangen Schritt für Schritt. Auch in ehemaligen Gutachten meiner damaligen Ärzte und Therapeuten ist kein Wort davon zu finden. Wir fragen uns also, wie die Rentenversicherung bitte sehr auf so etwas kommt. Mein Psychiater kann darüber auch nur müde lächeln, denn er kennt die fragwürdigen Vorgehensweisen von Kranken- und Rentenversicherung inzwischen mehr als gut. Er hat mir also direkt ein Schreiben aufgesetzt, in dem klar gestellt wird dass keinerlei Drogenabhängigkeit oder Konsum stattfindet und somit eine Suchtberatung nicht indiziert sei. Das alles hab ich dann direkt per Prio Einschreiben super duper wichtig und bitte nur dem und dem geben Brief an die Krankenkasse geschickt…


Ich bin gespannt, was da noch so kommt. Denn schließlich hilft mir die Krankenkasse dabei!!! Nur bei was? Noch bekloppter zu werden? Das kriege se nämlich gut hin, alle Achtung. Also hiermit einen Applaus an die DAK Gesundheit, ihr macht das toll! 😉


Nachwort: Ja, ich bin im VdK…und ja, die UPD (unabhängige Patientenberatung) hängt da auch schon mit drin…alle kopfschüttelnd 😀

9 Kommentare zu „Der ganz normale Wahnsinn…

Gib deinen ab

  1. Unglaublich. Ich befinde mich momentan in einer medizinischen Reha und ich hab ähnliche Probleme mit der Familienkasse.

    Eine Katastrophe … Jeder will nur Kosten und Arbeit abschieben.

    Aber deine Geschichte übertrifft das noch bei Weitem! Echt traurig …

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  2. Einfach nur sprachlos.
    Aber so was ähnliches habe ich auch in der Familie.
    Helfen? Definitiv nein! Aber für alles, was für den Patienten wichtig ist ewig brauchen.
    Einfach nur Katastrophe. SCHADE

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    1. Also ich werde tatsächlich nun den Schritt wagen und die Krankenkasse wechseln. Gestern hatte ich die Pflegebegutachtung da und selbst die meinten dass meine Krankenkasse wohl zu den besch*** zähle. Und ich hab so langsam echt die Kappe auf von dem Scheiß

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  3. Das kenne ich gut. Wenn man krank ist, ist man nur ein Kostenfaktor, keinesfalls ein Mensch. Kann da auch ein Lied von singen, mit Kasse und RV. Es ist schon dreist, was die sich erlauben. Das perfide an diesen vorgangsweisen ist, das es leider kranke Menschen gibt, die sich nicht wehren (können) und da kann man sich als „Leistungserbringer“ schön aus der Affäre ziehen. Leistungen, für die man auch eingezahlt hat, mit den SV Beiträgen, als man noch leistungsfähiger war. Gib nicht auf! Ich wünsch Dir alles Gute und viel viel Kraft.

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  4. Oje 🤦‍♀️ ich hoffe sehr für dich das es bald gut hinhaut… da bin ich aber auch mal gespannt wo die „diagnosen“ herkommen.. haben die dich vielleicht am ende verwechselt ?! 🤷‍♀️

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    1. Das wäre es noch…dann fress ich aber n Esel 😀 Ich hoffe ja dass ich schnell die Akteneinsicht bekomme, denn dann werde ich ggf auch rechtliche Schritte einleiten. Mir ne Drogensucht zu unterstellen find ich schon krass

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