Ein Appell an die Menschlichkeit

Ein Assistenzhund, auch Rehabilitationshund genannt,[1] ist ein Hund, der so ausgesucht und ausgebildet wird, dass er in der Lage ist, einem Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen ausgefallene oder fehlende Sinnes- und/oder Körperfunktionen so gut wie möglich zu ersetzen.

(Quelle Wikipedia)


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Assistenzhunde werden speziell für ihre Aufgaben ausgesucht und lange ausgebildet. Eine entsprechende Ausbildung kostet mal gut und gerne mehrere tausende Euro, die von uns Betroffenen selbst und/oder mithilfe von dementsprechenden Stiftungen gezahlt werden müssen, da bis heute die Krankenkassen keinen einzigen Cent zu der Ausbildung dazu geben, selbst wenn eine ärztliche Empfehlung für einen Assistenzhund vorliegt. Die Kernausbildung dauert in der Regel zwischen 12-24 Monate, in denen meist wöchentlich und intensiv mit den Hunden und ihren späteren Assistenznehmern/Haltern mithilfe von speziellen Trainern trainiert wird. Ein Assistenzhund wird regelmäßig gesundheitlich durchgecheckt, bei einigen benötigt man sogar vor der Ausbildung eine tierärztliche Bescheinigung des Gesundheitszustandes. Der Assistenzhund und sein Halter sind also ein sehr aufeinander abgestimmtes Team, die sehr ausgiebig für ihr Ziel trainieren.

Dieses Ziel ist, in eigentlich allen Fällen, die (Rück)Gewinnung von Selbstständigkeit. Für uns Betroffene ist unser Assistenzhund oftmals der erste Lichtblick nach Jahren voller Misshandlungen, Schmerzen und Rückzug aus dem Leben. Schließlich traute man sich nicht mehr aus dem Haus, weil man durch die schmerzhafte Vergangenheit gelernt hat, dass es dort nicht sicher ist oder mit vielen Verboten auferlegt wurde. Betroffene wie wir sind oft in ihren eigenen vier Wänden wie Gefangene, die ständig auf die Mithilfe ihrer Partner, Freunde, Familie oder gar Betreuer angewiesen sind.

Stellt euch doch bitte einmal kurz vor, wie es sich anfühlen mag, in der eigenen Wohnung gefangen zu sein. Keine schöne Vorstellung oder? Nein, es ist ganz und gar nicht schön.

Mit dem Assistenzhund kommt dann plötzlich wieder Licht ins Leben. Man traut sich wieder etwas, man lernt draußen sein zu dürfen, einkaufen zu gehen, einen Kaffee trinken zu dürfen. Durch besondere Zutrittsrechte dürfen wir uns mit den Assistenzhunden frei in vielen Läden bewegen. Im besten Fall ist dies sogar für die einzelnen Läden gesondert mit der Geschäftsleitung im Vorfeld geklärt worden. Wir lernen also, was wir nie lernen durften/konnten: zu vertrauen – dem speziell ausgebildeten Hund, sich selbst…wir lernen darauf zu vertrauen, dass nichts passiert – und wenn doch etwas ist, haben wir dieses perfekte Hilfsmittel neben uns, was genau weiß was es zu tun hat in einem Notfall.

Könnt ihr euch vorstellen, wie beruhigend sich das anfühlt? Wie beruhigend es ist, wenn die Welt da draußen mit ihren Menschen sich wie heiße Lava anfühlt und man dann aber dieses Hilfsmittel an die Hand bekommt?

Versucht euch kurz hineinzufühlen. Jeder, der auch nur einen Hauch von Empathie empfindet, kann sich nun vielleicht ein wenig besser in uns hineinversetzen. Könnt ihr euch vielleicht auch noch vorstellen, wie verletzend es dann ist, wenn wir auf Menschen treffen, die sich lauthals über unseren Assistenzhund beschweren? Nicht, weil er irgendwas tun würde was anstoßend wäre … sondern einfach, weil er seinen Job tut? Wie oft passiert auch mir es noch heutzutage, dass sich die Leute das Maul zerreißen … „So ein Drecksköter“ … „Was will die scheiß Töle hier im Laden“ … „Unverschämt, was nimmt die sich denn raus“ … sind nur einige Auszüge von dem, was wir oft genug mit anhören müssen. Nicht selten stapfen Leute offensichtlich empört zu Mitarbeitern des Ladens und/oder verlangen direkt die Geschäftsführung.

Ich kenne inzwischen Betroffene mit fertig ausgebildetem Assistenzhund, die sich aufgrund solcher Attacken nicht mehr nach draußen beziehungsweise in die Läden trauen. Und auch an mir geht sowas natürlich nicht spurlos vorbei.

Die Frage, die ich mir stelle ist, ob sowas wirklich sein muss?! Schließlich ärgert man sich ja auch nicht bei jemanden, der sich mithilfe eines Rollstuhles durch die Gänge bewegt, über den scheiß Rollstuhl oder wie unhygienisch der Dreck an seinen Rädern wohl sei. Man erwartet von diesem jemanden auch nicht, dass er sich doch bitte ohne seinen Rollstuhl bewegen soll. Genauso wenig beschimpft man eine Gehhilfe oder einen Blindenstock. Warum also den Assistenzhund?


Jeder, der mich und meinen Assistenzhund beim Einkauf oder in der Freizeit sieht ist hiermit noch einmal herzlichst eingeladen, uns anzusprechen und/oder über die sozialen Medien Kontakt zu uns aufzunehmen. Gern beantworte ich eure Fragen und erkläre die Aufgaben meines Assistenzhundes. Ja, ich erkläre auch gern warum mein Hund in die Läden darf und dass das alles gar nicht so unhygienisch ist, wie gedacht. Ich bin sehr engagiert in der Öffentlichkeitsarbeit, weil ich hoffe.

  • Ich hoffe, dass (auch eventuell mithilfe dieses Textes) sich etwas bewegt in den Köpfen der Menschen, die mich und meinen Assistenzhund diffamieren.
  • Ich hoffe, dass wir Assistenzhundeteams auf mehr Akzeptanz hoffen dürfen.
  • Ich hoffe, dass wir Assistenzhundeteams uns alle irgendwann ganz normal in der Öffentlichkeit bewegen dürfen/können, denn das ist, wonach wir uns sehnen.

Und ja, ich bin so frei und hoffe noch etwas.

  • Ich hoffe, dass ein jeder, der diesen Text liest, meine Worte weiter trägt.
  • Ich hoffe dass die Aufklärung über Assistenzhunde und ihrer Arbeit noch viel mehr Leute als bisher erreicht.

Also seit bitte so frei und teilt diesen Beitrag, redet darüber. Mit mir, mit anderen Betroffenen, untereinander. Vielen Dank. ❤

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