Meine Antworten auf eure Fragen

Vor einiger Zeit hatte ich auf unserer Facebook Seite gefragt, welche Wunschthemen oder Fragen ihr an mich habt. Wie versprochen, werde ich mich dem jetzt widmen.


Mich würde interessieren, wie lange du schon mit Hodor arbeitest und wie ihr zueinander gefunden habt?

Dass Hodor derjenige, welcher ist – also MEIN Hund – stand eigentlich schon direkt nach der Geburt fest. Ich hatte der Züchterin gesagt, was ich mir von meinem Hund an Charakterzügen wünschen würde und auch der Name stand schon fest, bevor er überhaupt gezeugt wurde 😀 Ich habe quasi einen ‚Hodor‘ bestellt und bekommen. Er war einer von drei Jungs und war direkt von Anfang an der faulste und hungrigste Hund aus dem Wurf. Im Laufe des Heranwachsens bestätigte sich dies umso mehr. Hodor lag immer einfach irgendwo rum und wenn es ihm zu stressig oder zu laut wurde, ging er weg und legte sich woanders schlafen. Selbst schreiende Kinder haben ihn nicht aus der Ruhe bringen können. Ich habe Hodor seit seiner Geburt bis zum Abholen jede Woche besucht, damit wir uns von Anfang an ausgiebig beschnuppern konnten.

Abgeholt habe ich ihn dann mit ca 9 Wochen. Anfangs war er ’nur‘ als Familienhund gedacht, jedoch kristallisierte sich in den ersten Wochen und Monaten heraus, dass er mir eine wundervolle Hilfestellung bei meinen Erkrankungen sein kann. Also fing ich relativ früh an, mit ihm zu trainieren, z.B. meinen Medikamentenbeutel zu apportieren. Seit Ende 2016 begleitet uns eine Trainerin für Assistenzhunde.

In meinem Blog findest du HIER eine kleine Geschichte zu der Anfangszeit mit Hodor.


Da ich neu auf eurer Seite bin würde ich gerne erfahren, wie lange ihr schon zusammen seid? Was ihr generell so macht? Die Seite heißt ja bestimmt nicht umsonst „mein Weg aus der Angst mit Hodor“ 😉 ich bin gespannt was über euch zu erfahren 😊

Wie oben schon geschrieben, lebt Hodor bei mir seitdem er 9 Wochen alt ist. Er wird, seit Anfang 2016, zum Assistenzhund für mich ausgebildet. Das wiederum geschieht, weil ich diverse psychische Erkrankungen und somit einige Einschränkungen habe. Ich lebe z.B. mit einer dissoziativen Bewegungsstörung, das heißt manchmal habe ich Lähmungserscheinungen, was wiederum dazu führt dass ich stolpere, falle oder auch mich nicht mehr bewegen kann. Außerdem habe ich zum Teil tagtäglich Panikattacken mit Krampfanfällen, die ohne äußere Beruhigung oder Medikamente nicht in den Griff zu bekommen sind. Diese Panikattacken häufen sich vor allem in der Öffentlichkeit, da ich schlecht mit Menschen (-mengen), engen Räumen oder auch normaler Lautstärke umgehen kann. Das alles führt zu Überreizungen meines Gehirns und macht mich schier hilflos in den ’normalsten‘ Situationen, wo andere Menschen keinerlei Probleme haben. Hodor lernt, mir dabei zu helfen. Er begleitet mich quasi den kompletten Tag hindurch. Ich nehme ihn mit zum Einkauf oder würde ihn auch mit zur Arbeit nehmen, wenn ich irgendwann wieder arbeitsfähig sein sollte. Er hilft mir, indem er solche Anfälle frühzeitig erkennt (durch veränderten Geruch und Körperhaltung) und mich aus den Situationen heraus führt oder mir meine Medikamente bringt. Außerdem kann ich ihn wunderbar als ‚Puffer‘ einsetzen, indem ich ihn jeweils links, rechts, vorn oder hinter mir absetzen lasse. So gibt er mir etwas Abstand zu anderen Menschen.


Was sind für dich die wichtigsten Aufgaben von Hodor?

Zu der wohl wirklich am wichtigsten Aufgabe zählt auf alle Fälle das Bringen meiner Medikamente, da ich mich oft in Notsituationen nur rudimentär bewegen kann und somit ohne Hilfe nicht an meine Medikamente kommen würde.

Auch das Aufsuchen einer Bank oder das Finden vom Ausgang sind super wichtig, da er mir dadurch hilft, schneller aus für mich unerträglichen Situationen heraus zu kommen. Generell würde ich nie wieder auf seine Begleitung verzichten wollen, da die reine Anwesenheit von ihm schon dafür sorgt, dass ich viel weniger Panikattacken in der Öffentlichkeit erleiden muss wie ohne ihn.


Wenn es für dich kein Problem ist, würde es mich auch interessieren, welche Diagnose du hast.

Für mich ist es absolut kein Problem, meine Diagnosen offen zu legen und darüber zu reden. Dafür habe ich diesen Weg in die Öffentlichkeit gewählt, damit endlich mal der doch oftmals verquere Blick auf Menschen mit psychischen Erkrankungen geändert wird. Bei mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach mehrjährigen psychischen sowie körperlichen und sexuellen Missbrauchs festgestellt. Zu dieser PTBS gehört in meinem Fall eine dissoziative Bewegungsstörung, die Depersonalisation. Außerdem lebe ich mit rezidivierenden Depressionen, einer Angststörung mit Panikattacken und einer Essstörung (Binge-Eating Disorder).


Wie gehst du damit um, dass Du weißt, dass Hodor nicht für immer bei Dir sein wird, Du jedoch für immer deine Diagnose haben wirst und die Symptome. Bereitest du dich da irgendwie drauf vor?

Puh. Also erst einmal möchte ich natürlich eigentlich absolut nicht darüber nachdenken, was ist wenn Hodor mal nicht mehr da ist. Dennoch ist es natürlich ein Thema, dessen ich mir mehr als bewusst bin. So ein Tier hat nun mal eine begrenzte Lebensdauer und das war mir bei der Anschaffung von Hodor natürlich klar. Was ich sagen kann ist, dass ich jeden Tag mit ihm genieße, in vollen Zügen und dass ich mehr als froh bin, dass uns hoffentlich noch ganz viele Jahre bleiben (schließlich ist er jetzt gerade mal 2,5 Jahre alt). Was aber auch klar ist, ist dass ich natürlich irgendwann vermutlich einen weiteren Hund benötigen werde, der die Ausbildung zum Assistenzhund durchlaufen wird. Das wird in dem Fall frühzeitig geschehen, allein weil mein Hodortier ja auch nicht endlos lang diesen Job ausführen werden kann. Irgendwann werden die Schnuffels halt alt und Hodor wird seine ‚Rente‘ dann mehr als verdient haben.

 

7 Kommentare zu „Meine Antworten auf eure Fragen

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    1. Oh nein es gibt viele Assistenzhunde abgesehen von den Blindenführhunden 😉 Leider kennen die wenigsten die anderen Helferhunde, was mitunter daran liegen mag dass die Ausbildung nicht finanziert wird von der Krankenkasse, sondern die Betroffenen selbst dafür sorgen müssen. In anderen Ländern sind die sogenannten service dogs schon längst eine anerkannte Sache.

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      1. Leider, ja. Gestern erst ein Telefonat mit der Krankenkasse zb geführt, wo mein Mann denen erstmal erklären musste was ein Assistenzhund ist und wozu ich diesen habe. Das stimmt mich dann schon sehr nachdenklich, macht aber auch deutlich wie wichtig die Aufklärung darüber ist.

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