Ansprüche und Erwartungen an einen Assistenzhund…

…und wie es in der Realität wirklich aussieht.

 

Wenn ich mich so durch die Social Medias wühle, seh ich immer nur wie perfekt alle Assistenzhunde von anderen funktionieren. Dann gucke ich auf meinen Assistenzhund, und eventuell hatten wir an dem Tag auch noch ein echt bescheidenes Training hinter uns, und zack kommen sie über mich, die Selbstzweifel. Wir sind nicht gut genug, ich bin nicht in der Lage, meinem Hund zu verklickern, was ich von ihm will und so weiter.

 

Bullshit. Sorry für den Ausdruck aber das ist das einzig passende Wort, was mir dazu einfällt. Bullshit. Wir sind gut genug! Aber kaum jemand spricht in der Assistenzhundeszene davon, wenn es mal nicht funktioniert. Wenn man danach bei Facebook, Instagram, Twitter und co sucht, sieht man oft nur wunderbar funtkionierende Hunde. Darüber, dass der Hund nur ein Hund ist, und die Ausbildung, egal wie alt der Hund ist und egal ob man eine Prüfung gelaufen ist oder nicht, niemals wirklich endet, man immer und immer wieder das Gelernte auffrischen muss, dass das alles harte Arbeit sein kann, darüber redet kaum jemand. Oder wenn der ausgebildete Assistenzhund einem mal vollends in die Leine rasselt, weil er doch mal abgelenkt war. Oder wenn der ausgebildete Assistenzhund im Freilauf mal nicht abrufbar ist und einem den imaginären Stinkefinger zeigt, während man brüllend und heulend hinter seinem Köter hinterher rennt. Kaum jemand redet darüber, wie grottig der ausgebildete Assistenzhund sich in der Hundeschule am Wochenende verhalten hat, oder darüber dass er doch mal die herunter gefallene Wurst gefuttert hat. Wenn der ausgebildete Assistenzhund dann doch mal vor der Fleischtheke sabbern muss und sich nur schwer konzentrieren kann, darüber wird still geschwiegen. Oder wenn der ausgebildete Assistenzhund total lustlos hinter einem herschlürft, weil er absolut keinen Bock hat und lieber auf der Couch liegen würde.

 

Denn ein Assistenzhund hat sich so nicht zu verhalten, zumindest denken das viele Menschen und viele der Assistenzhundehalter selbst. Ein Assistenzhund hat immer zu 100% zu funktionieren…*seufz* schön wäre es 😀 Wenn ich mich dann mit Assistenzhundehaltern persönlich unterhalte und man sich etwas kennen gelernt hat, traut man sich dann schonmal eher, über das zu sprechen, worüber man sonst nur allzu oft schweigt. Auch ein ausgebildeter Assistenzhund ist ein Lebewesen. Sie können noch so gut ausgebildet sein, es kann immer passieren dass der Hund, oder man selbst, einen schlechten Tag hat und mal nicht so funktioniert. Dann rennt der Hund halt mal in die Leine, jagt einem herum wehenden Blatt hinterher, guckt einen an wie Hans Blöd und erinnert sich leider nicht mehr dran, was dieses Wort `Platz`zu bedeuten hatte. Dennoch ist man ein gutes Team, denn das sagt absolut gar nichts darüber aus, wie gut oder schlecht man ist. Es heißt lediglich, dass man gerade vielleicht etwas neben der Spur war oder der Hund gerade mal einen kurzzeitigen Hirnausfall hatte 😛

 

Ich persönlich finde zumindest, dass man auch viel öfter über die Dinge reden sollte, die mal nicht so toll gelaufen sind. Einfach, weil es menschlich ist…oder tierisch 😉 Ich zum Beispiel war heute mit Hodor auf dem Wochenmarkt, und ehrlich, ich hätte ihn gern gegen eine Wand klatschen können, oder mich, oder uns beide. Oder einfach heulend wegrennen wäre auch eine Option gewesen. Für Hodor war es heute super schwer, sich bei dem Fleischerei Stand zu konzentrieren. So schwer, dass er mich zuerst wie ein Irrer dorthin ziehen wollte, danach seine Nase nicht vom Boden bekam und alles, was ich sagte, an dem Herren abgeprallt ist. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich so ein Sturkopf bin, denn ich habe immer wieder tief durchgeatmet, bin stehen geblieben, habe Hodor in einem freundlichen Ton an meine Seite geschickt und bin immer und immer wieder an diesem Fleischstand vorbei. So lange, bis der Herr ganz ruhig daran vorbei gelaufen ist, sich sogar direkt davor hat ablegen lassen und ich kurz mit der Mitarbeiterin dort reden konnte, die mich nämlich fragte ob ich von einer Hundeschule sei. Und ja, Hodor ist ein ausgebildeter Assistenzhund, der in diesem Moment Schwierigkeiten hatte, sich zu konzentrieren. So ist es nunmal. Dann überprüfe ich meine Körpersprache, bin ich deutlich genug? Und wage mich dennoch an die Aufgabe, bis sie wieder sitzt und wir in Ruhe dran vorbei gehen können.

 

Einen Hund zum Assistenzhund ausbilden zu lassen heißt nie, dass man mit der Prüfung mit dieser Ausbildung durch ist. Es ist harte Arbeit, immer und immer wieder. Aber sie lohnt sich, mit jedem Blick in die Augen unserer Hunde.

 

 

3 Kommentare zu „Ansprüche und Erwartungen an einen Assistenzhund…

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  1. Also ich weiß nicht, bist Du sicher, dass das in den Social Media wirklich Assistenzhunde waren, oder nicht etwa Zirkushunde? Gerade bei psychisch erkrankten, denke ich, ist doch die bloße Anwesenheit eines Hundes schon die eigentliche Assistenz und das er merkt wenn es einem schlecht geht in einer Situation und dann irgendwie halt gibt oder schützt. Klar, bei einem Blindenhund ist die Assistenz eine andere, da muss alles passen. Der darf sein Herrchen nicht auf die Straße ziehen wenn ein Lkw anrollt.
    Allerdings sehe ich das Hauptproblem ohnehin in den Social Media selbst. Dem Wettbewerb darin und dem Nutzen, zu meinen, alles für jeden öffentlich zu machen ohne jegliche Filterung. Klar ich blogge selbst, nutze insofern auch Social Media, denke aber, es ist verkehrt, sich darüber zu vergleichen. Vor allem sollte man sich nicht schlecht machen, nur weil ein anderer besser ist, oder zumindest so erscheint. LG

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