Assistenzhund – (k)ein Allheilmittel!?

Vorab: dieser Beitrag soll niemanden angreifen oder verunsichern sondern stellt lediglich meine Meinung und Erfahrung zu diesem Thema dar.

 

 

Einen Assistenzhund zu haben und auszubilden, ist kein Zuckerschlecken. Das musste auch ich unter vielen Tränen und Verlust einiger meiner Nerven lernen. Sich für einen Assistenzhund zu entscheiden bedeutet auch, sich für den Kampf gegen die eigenen Dämonen zu entscheiden.

 

Kein Assistenzhund der Welt lässt die Panikattacken, Depressionen, Krampfanfälle oder was auch immer verschwinden. Meine persönliche Erfahrung ist aber, dass man mithilfe eines Assistenzhundes lernen kann, besser damit umzugehen. Ich kam (und komme) mithilfe von Hodor endlich aus meinem Flucht- und Verdrängungsmodus heraus und lerne jeden Tag aufs Neue, meine innerlich gesetzten Grenzen zu sprengen. Die Ausbildung zum Assistenzhund hat mein Leben auf den Kopf gestellt, denn durch die regelmäßige Arbeit mit Hodor werde ich mit den Situationen konfrontiert, die ich zuvor umgangen wäre. Ich stelle mich aktiv für mich vermeintliche Gefahren, wie Menschenmassen oder Einkaufszentren, um mit Hodor zu trainieren. Somit lernt er, wie er sich in solchen Umgebungen zu verhalten hat, aber auch ich überschreibe meine negativen Erfahrungen mit diesen Orten.

 

Einen Assistenzhund zu haben bedeutet harte Arbeit, gemeinsam mit dem Hund, damit er lernt was er tun soll oder auch nicht, aber vor allem harte Arbeit an sich selbst. Jeder Tag ist ein Tag, an dem man sich selbst reflektieren muss, um die Kommunikation mit seinem Hund zu verbessern. Jeder Stillstand oder sogar Rückschritt in der Ausbildung ist ein Zeichen, achtsamer mit sich selbst zu sein, um heraus zu finden, woran es lag. Ich musste erkennen, dass eigentlich so ziemlich alles, was Hodor „falsch“ gemacht hat/macht, an mir selbst liegt. Weil ich in meiner Körpersprache nicht deutlich genug bin, weil die Sprachkommandos nicht klar sind, weil ich die Grenzen nicht deutlich genug gezogen habe und vieles mehr.

 

Auch gibt es mit Assistenzhund Situationen und Probleme, die man ohne diesen nicht hätte, wie zum Beispiel um die Zutrittsrechte zu kämpfen. Immer wieder muss man anfragen und nachhaken, ob der Hund hier und da rein darf, oftmals mit dem Geschäftsführer oder den Gesundheitsämtern sprechen, da sich die Mitarbeiter nicht auskennen oder prinzipiell verneinen, weil sie gelernt haben dass Hunde in den Filialen nicht erlaubt sind. Und auch wenn die Genehmigung da ist, wird man immer wieder von Mitarbeitern oder anderen Kunden konfrontiert, zum Teil auch sehr unfreundlich. Ich gehe inzwischen seit fast zwei Jahren mit Hodor in die Geschäfte und werde trotzdem noch oft angesprochen, da musste ich auch erst lernen, Ruhe zu bewahren. Den Menschen freundlich, aber bestimmt zu erklären, was, wieso, weshalb Hodor hier mit rein darf. Dadurch lerne ich immer wieder, für mich einzustehen, nicht zu flüchten, nicht zu weinen, schreien oder dergleichen, sondern tief durchzuatmen und ruhig zu erklären, was die Arbeit eines Assistenzhundes ist und warum diese gesonderte Zutrittsrechte haben. Mit Assistenzhund muss man sich mit den gängigen Gesetzen auseinander setzen und bestenfalls die Paragraphen nenne können oder dabei haben, um das Gesagte zu stützen. Viele Menschen kennen leider keine Assistenzhunde und handeln aus Nichtwissen. Das heißt, einen Assistenzhund zu haben heißt vor allem, Aufklärungsarbeit zu tätigen, damit es irgendwann vielleicht mal einfacher ist für jemanden mit einem solchen Helfer.

 

Ein Hund generell bedeutet Arbeit, denn dieser hat Bedürfnisse. Er muss versorgt werden, sowohl was Futter angeht, als aber auch eine tierärztliche Versorgung. Ein Hund muss regelmäßig raus, egal wie beschissen das Wetter und/oder die Stimmung ist. Kein Hund der Welt ist direkt perfekt erzogen, und auch wenn man sich keinen Welpen ins Haus holt, heißt es nicht dass man die Grunderziehung übergehen kann. Bei einem Welpen wiederum muss man umso mehr drauf achten, diesen nicht direkt zu überfordern mit zig Assistenzaufgaben. Und auch schon erlernte Kommandos und die Leinenführigkeit können immer wieder einbrechen und müssen aufgefrischt werden. Man muss also bereit sein, immer und immer und immer und immer und immer wieder zu trainieren, selbst nach Rückschlägen, abgelegten Prüfungen oder dergleichen.

 

Auch ein Assistenzhund braucht einen Ausgleich zu seiner Arbeit und Ruhepausen. Das zu erkennen und zu lernen, kann aber auch einem selbst wiederum helfen, denn einen Hund/Assistenzhund zu haben lernt einen, achtsamer mit sich selbst zu sein.

 

Ein Assistenzhund ist KEIN Allheilmittel, es ist Therapie. Und Therapie bedeutet harte Arbeit, die dann aber auch honoriert wird.

 

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