Der Assistenzhund

In vielen Ländern wie USA oder Österreich schon längst bekannt, ist der Assistenzhund in Deutschland noch eine Seltenheit. Man kennt vielleicht die Therapiehunde, die medizinisches Fachpersonal zum Beispiel in der Physiotherapie unterstützen, oder die Blindenführhunde, die wie der Name schon sagt, blinde Menschen durch ihren Alltag „führen“. So manch einer kennt eventuell sogar den Diabetikerwarnhund, der Unter- & Überzuckerung rechtzeitig erkennt. Aber ein Assistenzhund? Hier möchte ich euch mitnehmen und euch erklären, was das genau ist – und was ein Assistenzhund so alles lernt.

 

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Es gibt auch unter den Assistenzhunden viele verschiedene „Fachrichtungen“, ich persönlich werde hier nur auf die „Spezialisierung“ eingehen, auf die auch mein Hodor ausgebildet wird, da weiß ich die Infos wenigstens aus erster Hand. Hodor wird nämlich zum PTBS Assistenzhund ausgebildet. PTBS ist die Abkürzung für eine posttraumatische Belastungsstörung (dieses Krankheitsbild werde ich die Tage in einem gesonderten Beitrag noch genauer erklären), in meinem Fall einhergehend mit dissoziativen Störungen. Kurzum heißt das für mich, dass ich tagtäglich mit Panikattacken, Flashbacks (und/oder Intrusionen) und Depersonalisierungen (d.h. ich erlebe einen Verlust meines natürlichen Körpergefühls, ähnlich wie bei einer Lähmung) leben muss. Eventuell kann man sich vorstellen, dass Menschen wie ich durch diese „Störungen“ recht eingeschränkt im Alltag sind. Ich zum Beispiel konnte sehr lange nicht ohne Begleitung einkaufen gehen, im Bus hatte ich ständig Panikattacken, sodass ich die Fahrten unterbrechen musste usw.

 

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In solchen Fällen wie meinem kann ein Assistenzhund wahre Wunder bewirken. In meinem Fall wird Hodor speziell ausgebildet, diese Panikattacken und Flashbacks rechtzeitig zu erkennen. Das funktioniert vermutlich ähnlich wie beim Diabetikerwarnhund oder zb bei einem Polizeihund mittels Geruchserkennung und Veränderung der Körperspannung, die der Hund durch seine Wahrnehmung viel schneller erkennen kann als wir Menschen. Dieses Erkennen wurde mit einem Signal verknüpft, bei mir fängt Hodor zum Beispiel an, mich anzustupsen um auf die Situation aufmerksam zu machen. Ich weiß also inzwischen, wenn mein Hund mich ohne vorheriges Kommando plötzlich ganz viel anstupst, dass eine Panikattacke im Anflug ist und kann rechtzeitig agieren. Das ist in soweit hilfreich, dass ich viel schneller gegen eine Panik oder einen Flashback handeln kann und somit oft gar nicht mehr in diesen endlos Teufelskreis gerate. Wenn wir unterwegs sind, würde mich Hodor in solchen Fällen aus der Situation bringen, d.h. er führt mich zum Rand, zum Ausgang oder sucht mir eine Bank, sodass ich ggf. aus der Menschenmasse raus bin und/oder zur Ruhe kommen kann, indem ich mich kurz hinsetze und neu fokussiere. Auch lernt er, mir meine Medikamente zu geben, wenn ich nicht mehr in der Lage bin diese selbst zu holen. Gerade in einer Depersonalisation, bei der ich ohne Gefühl in den Beinen bin, ist dies äußerst hilfreich weil es verhindert, dass ich mich durch die veränderte Körperwahrnehmung durch einen Sturz oder dergleichen verletze. Wenn er mir dann die Medikamente gebracht hat, legt er sich komplett auf mich drauf, bis mein Körpergefühl wieder da ist. Das enge Kontaktliegen hilft mir, mich schneller zu beruhigen.

 

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Die Aufgaben eines Assistenzhundes richten sich also ganz danach, was der Betroffene braucht. Viele Assistenzhunde lernen z.B. auch das Licht anzuschalten oder in einen Raum vorzugehen und anzuzeigen, ob sich jemand darin befindet. Durch die Individualität der Aufgaben dauert die Ausbildung zum Assistenzhund auch dementsprechend unterschiedlich lang. Mir wurde immer gesagt, dass man generell so mit 12-24 Monaten Ausbildungszeit rechnen kann, je nachdem wie weit der Hund bis dahin auch ist. Es ist also wirklich ein hartes und langwieriges Training, welches die Hunde und ihre Halter absolvieren, bevor so ein Assistenzhund „fertig“ ist. „Fertig“, weil ich persönlich der Auffassung bin dass so ein Hund nie „fertig“ mit seiner Ausbildung ist, man muss immer weiter trainieren und auffrischen oder es kommen vielleicht neue Aufgaben im Laufe der Zeit dazu. Aber zumindest ist der Hund irgendwann soweit, dass er ganz „offiziell“ (leider gibt es dahingehend noch keine gesetzlichen Regelungen in Deutschland) als Assistenzhund wirken kann.

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